Die HARTz IV Diktatur

zuerst Publiziert am: 18. Dez 2015

Es ist Wahnsinn, ein Pageturner, liest sich wie ein Thriller.
Nur, that’s fact, not fiction !

Seite 92
„Wie verlogen muß eine Politik noch werden, die für sich in
Anspruch nimmt, sozial zu sein, ehe der Bürger erkennt, welch übles Spiel hier gespielt wird? Wie lange wollen sich Noch-Beschäftigte und Arbeitssuchende gegeneinander ausspielen lassen, während andere sich auf ihre Kosten bereichern? Ich denke, es ist an der Zeit, aufzuwachen und zu erkennen, daß die Sozial- & Arbeitsmarktpolitik der vergangenen 12 Jahre einen Keil zwischen die deutsche Bevölkerung geschlagen hat, eine soziale Dynamik der Spaltung, die noch lange nicht ihren Höhepunkt erreicht hat ! „


ISBN 978-3-499-63065-1

Ende Dezember durchgelesen und ich stimme voll zu !

Bemerkenswerte Textpassagen:

Seite 143 ff
…Wie kann man sich ein Bild darüber machen, was tatsächlich am Arbeitsmarkt geschieht ? Eigentlich ist es ganz einfach: Man muß nur die von der BA selbst in Einzelberichten angetragenen Zahlen betrachten und eins und eins zusammenzählen. Dann stellt man fest, daß die Wahrheit im Detail steckt. Um die offiziellen Arbeitslosenstatistiken zu  verschönern, hat man die Menschen ohne Beschäftigung in feine Untergruppen unterteilt und einige davon als nicht »arbeitslos« definiert, sondern als »arbeitssuchend«. Und diese sogenannten »Arbeitssuchenden« rechnet man aus  der offiziellen Arbeitslosenzahl, die medial im In- und Ausland verkündet wird, einfach heraus. Auf diese Weise werden kranke Arbeitslose nicht in die Statistik aufgenommen, ebenso wenig jene, die an einer Weiterbildung teilnehmen, einen ein-Euro–Job  ausüben,  einen Angehörigen pflegen oder älter als 58 Jahre sind. Außerdem Elternteile während der Erziehungszeit bis zum dritten Lebensjahr des Kindes, Menschen, die sich einer REHA Maßnahme unterziehen müssen, Aufstocker, das heißt Menschen, die einen Mini- oder Midi-Job ausüben, oder eine andre prekäre Beschäftigung,  von deren Lohn sie nicht leben können.
Siet Mai 2009 gibt es außerdem noch eine weitere Gruppe von Erwerbslosen die aus der Statistik verschwand: nämlich diejenigen,

(*auch ich gehöre dazu, dies ist es auch, was ich Teilzeitarbeitslos nenne)

die versuchen,  über private Arbeitsvermittler eine Beschäftigung zu finden. In keiner Statistik werden fatalerweise auch jene nicht erwerbstätigen Bürger, die sich inzwischen resigniert vom Arbeitsmarkt  zurückgezogen haben und sich gar nicht mehr arbeitslos melden. Diese Zahl ist kaum zu erfassen, da sich die Menschen aus Resignation, Scham oder auch dem Wissen, daß sie ohnehin kein Geld erhalten,

(* das nenne ich ALG0 {null})

sich ohnehin nicht bei Arbeitsagentur oder Jobcenter melden.

Zudem gibt es  die Zahl der sogenannten »stillen Reserve«, die die Menschen umfasst, die zwar bei Arbeitsagentur oder Jobcenter gemeldet sind,

jedoch als sogenannte Nichtleistungsempfänger (*auch ein Euphemismus für ALG0), aus Gründen einer aktuellen Arbeitsunfähigkeit oder Nichterhalt von Arbeitslosengeld, als solche deklariert werden. Die Zahl der »stillen Reserve« wurde beispielsweise für Mai 2014 auf 603000 geschätzt²³

Und doch taucht sie nicht in den offiziellen Statistiken nicht auf.

… während bis 2006 die gesamte Gruppe (»Arbeitslose« und »Arbeitssuchende«) unter der Arbeitslosenzahl zusammengefasst war, wurde nun die Zahl der »Arbeitssuchenden« herausgerechnet.

… Seite 146
…arbeitslose Teilnehmer … eine(r) »Maßnahme« nicht einberechnet…(usw.) …

Auf diese Weise gaukelt man der Öffentlichkeit in In- und Ausland eine scheinbare Reduzierung der Arbeitslosigkeit von rund einer Million vor, ohne zu erklären, iwe es zu der rechnerischen Differenz kam. Im Gegenteil. Es wurde und wird bis heute postuliert, daß die HARTz-„Reform“ die Arbeitslosigkeit gemindert hat. Eine Behauptung, die nicht richtig ist. Es handelt sich hier um eine grobe und bewußte Täuschung der Öffentlichkeit.

Seite 174
Noch bedenklicher ist die Situation allerdings, wenn sich ein Arbeitsloser dazu entschließt, »vorübergehend« für eine Zeitarbeitsfirma zu arbeiten ( dies meine ich mit: Zeitarbeit ist mein ALG0) , denn dann gilt man sogar als vermittelt. … ist auch dieser Weg eine Sackgasse  und bildet oftmals keine Brücke in reguläre Festanstellung.

Super, kommt mir vor, als ob ich mich auf einen fiesen Arbeitsdealer einlasse, der mich abhängig macht, eine Abhängigkeit, aus der man ähnlich schwer wie aus Drogensucht raus kommt !!!

EDIT 18.04.16

Es entsteht ein fragmentierter Lebenslauf, mit so vielen Stationen Weil, ich versuchte, in Elektrobetrieben Fuß zu fassen. Aber dies findet oft in nicht zu vereinbarenden Bedingungen statt.
Was ich haben will, das krieg ich nicht und was ich haben kann, das gefällt mir nicht

Es bleibt einen nur übrig, sich mit der Zeitarbeit zu „arrangieren“. Aber dies läuft mindestens überwiegend nach dem Schema;
erst Lockangebote machen, irgendwann wird es unerträglich, man kann froh sein, wenn man gekündigt wird. Aber man kann sich→ keine längeren Zeiten ohne Einkommen leisten, Teufelskreis, der nächste Arbeitdealer von der Zeitarbeit muß her.

 

Seite 269
Aber eines steht, und dafür kämpfe ich (Inge Hannemann*) :

HARTz IV polarisiert und spaltet unsere Gesellschaft und ist ein zutiefst inhumanes System. Es ist voller Widersprüche und entmündigt die Menschen und deren Angehörige in der Bedarfsgemeinschaft. Menschen, die zuvor in der Gesellschaft integriert waren, werden stigmatisiert, gedemütigt und entrechtet. Das »Vierte Gesetz für moderne Dienstleistungen am Arbeitsmarkt« hat eine politische Brisanz entwickelt, die es nötig macht, es von allen Seiten zu beleuchten. Und hirbei geht es nicht nur um ein moralisches oder politisches Werteurteil, sondern vielmehr die Analyse der Implikation von HARTz I -IV in die Gesellschaft, in die Politik, in den Arbeitsmarkt, in die Beschäftigungs- und Bildungsträgerlandschaft und nicht zuletzt in die Wirtschaft. Daß das moralische und ethische Werturteil vernichtend ausfällt, erklärt sich von selbst. Wenn Frank-Jürgen Weise von mehrheitlichen Gewinnern der Arbeitsmarktreform spricht, ist er zwar mehr als zynisch, denn dabei kann er nur die Nutznießer des Systems im Auge haben, während er die »Verlierer« ignoriert, und deren Situation beschönigt. HARTz IV muß endlich insgesamt als Systemfehler erkannt werden. Niemand hat etwas davon, wenn Schuldzuweisungen auf Mitarbeiter in den „Jobcentern“ verlagert werden. Solange die beiden Seiten des Schreibtisches immer weiter gegeneinander aufgebracht werden, wird ihr Blick von der eigentlichen Ursache der Misere abgelenkt. Die hilflose und Verzweifelte Wut von Erwerbslosen gegenüber  willkürlich agierenden „Jobcenter“ Mitarbeitern ist verständlich, und diese Fälle von Machtmissbrauch gehören ans Tageslicht. Und doch ist es wichtig zu erkennen,  daß auch hier eine Entsolidarisierung unserer Gesellschaft, eine Spaltung stattfindet, die von den Eigentlichen Mißständen ablenken soll.

Denn es ist mehr als erstaunlich, daß sich die Große Koalition bis heute für die Agenda 2010 auf die Schultern klopfen läßt und Alternativen zu einer Lösung der sozialen Probleme ein Schattendasein führen? Man kann nur einen Schluß aus dieser Haltung ziehen: Zehn Jahre HARTz IV ist gewollte Armut und Stigmatisierung von Menschen und ihren Angehörigen, deren gesellschaftliche Teilhabe durch Neoliberalismus
(ich sehe es schon schlimmer, es ist schon Neofeudalismus am aufkeimen)(wenn beispielsweise Urlaubsanspruch in Zeitarbeit aberkannt wird)
ausgeschlossen ist.

Doch das ist noch lange nicht das letzte Wort. Es wird Zeit, daß sich die Akteure unserer Politik, unserer Wirtschaft und …Verwaltung auf die Werte besinnen, die unsere Kultur seit so langer Zeit bestimmen sollten und die gerade die Parteien mit dem „C“ im Namen stets vor sich hertragen, ohne  sie wirklich auszufüllen: auf die Begriffe der Nächstenliebe, der Gleichheit, des Teilens und der Achtung eiens jeden, egal aus welcher sozialen Schicht, aus welchem Land und welchem Politischen Lager er auch stammt. Wir sollten endlich wieder einander wirklich zuhören, ohne den eigenen Vorteil im Hinterkopf zu haben, einander mit offenen Augen begegnen, ohne uns von Vorurteilen leiten zu lassen, und zulassen, dass Mitgefühl in unser Handeln einfließt. Es sind die einfachsten Grundbegriffe des sozialen Miteinanders wie Ehrlichkeit, Rechtschaffenheit und gesellschaftliche Verantwortung für unsere Handlungen, die wir einfordern, und zwar nicht nur von den einfachen Leuten, sondern auch von Politikern, von den Verwaltungschefs und den Unternehmen und Konzernen. Denn wir wollen nicht zulassen, daß wir Jahrhunderte zurückfallen, in eine feudale Gesellschaft, in der wenige alles besitzen und die Masse wie Sklaven gehalten werden. Weit davon entfernt sind wir nicht. Noch ist es Zeit. Worauf warten wir noch?  Tun wir endlich was nötig ist!


Wahrlich, gutes Buch, mehr als das, es ist ein Politisches Manifest.

Ich muß mir noch mehr Gedanken dazu machen, Danke Inge Hannemann fürs Augen öffnen.

Ich habe mich über so manche Ungerechtigkeit gewundert, die mir Angetan wurde, daß ich BSPW dieses Jahr überwiegend mit 8,20 € /h bezahlt wurde, verdanke ich diesem Menschenverachtenden H4 & Zeitarbeits – Billiglohn – „Wunderland“ -System.

Man Mensch müßte so etwas wie Flugblätter daraus machen, und diese so wie Die Weiße Rose verteilen ! Möglicherweise brauchen wir tatsächlich eine Widerstandsbewegung gegen die HARTz IV Diktatur,

eine Diktatur ohne Diktator, eine Technokratische Diktatur !

Ich werde zur FAU Berlin gehen, Mitgliedschaft ist beantragt

Ich habe „Hausaufgaben“ zu erledigen, noch mehr eigene Gedanken dazu machen.

²³Quelle, Die Linke – Tatsächliche Arbeitslosigkeit

 

 

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Ein Kommentar zu „Die HARTz IV Diktatur

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